Stevenson Gallery

Warum die afrikanische Gegenwartskunst auf dem internationalen Kunstmarkt durchstartet . . .

Fotos: Karl Rogers

In Woodstock, einem zunehmend zum Szeneviertel der Kreativen avancierenden Stadtteil Kapstadts, befindet sich die 2003 gegründete Stevenson Gallery. Von Beginn an konzentriert sie sich ausschließlich auf die afrikanische Gegenwartskunst. Was bei uns vielleicht nur ein müdes Achselzucken hervorruft, ist mit Blick auf die Entwicklung des dortigen Kunstmarkts einer besonderen Erwähnung wert. Als Folge der Apartheid und ihrer Unterdrückungspolitik gab es – trotz ihrer Beendigung 1994 – zur Zeit der Galeriegründung auf dem gesamten Kontinent für junge Künstler immer noch keine Ausbildungs- oder Förderungsmöglichkeiten. Die Talentierten gingen nach wie vor nach Europa oder in die USA, und der sehr überschaubare lokale Kunstmarkt konzentrierte sich nach wie vor auf Etabliertes aus dem 20. Jahrhundert. Warum genau diese Situation Michael Stevenson und Andrew da Conceicao zur Gründung einer Galerie für zeitgenössische Kunst motivierte und wie es ihnen gelingen konnte, zur heutigen Größenordnung heranzuwachsen, erzählte mir Andrew da Conceicao.

Die Bedingungen waren vor 15 Jahren ja alles andere als günstig. Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Da Conceicao: „Ja, das gab es. Es war die documenta 11 im Jahr 2002. Als erste post-koloniale, von Okwui Enwezor, einem Nigerianer geleitete documenta, war dort die afrikanische zeitgenössische Kunst in den globalen Kontext gestellt worden. Das hatte uns sehr inspiriert. Wir schauten uns hier um und fragten uns, wie es sein konnte, dass es mit Goodman nur eine einzige Galerie gab, die sich neben der Kunst des 20. Jahrhunderts auch der Gegenwartskunst zuwendete. Wir fragten uns, warum so viele gute Künstler in Europa und nicht hier präsentiert wurden. Dem wollten wir entgegenwirken.“

Und das hat sofort funktioniert?

Da Conceicao: „Leider nein. In den ersten Jahren bedurfte es eines starken Durchhaltevermögens. Glücklicherweise machte sich dann aber sukzessive eine Veränderung hinsichtlich der Wahrnehmung für zeitgenössische Kunst und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft bemerkbar. Neue Ausbildungsprogramme an den Schulen und vor allem an der hiesigen Kunstakademie Michaelis ließen eine Künstlergeneration heranwachsen, die eine Karriere im eigenen Land anstrebte. Großen Einfluss hatte hier auch Berni Searle, die als erste farbige Künstlerin an der Akademie abschloss und dort nach wie vor auch als Dozentin tätig ist. Mittlerweile ist ein Drittel der Studenten nicht weiß. Bedingt durch die gesellschaftspolitischen Ereignisse der letzten Jahre, haben unsere jungen Künstler einfach große Geschichten zu erzählen.“

Wie viele Künstler vertreten Sie in Ihrer Galerie?

Da Conceicao: „Zur Zeit sind es 30.“

Neben den wichtigen Kunstmessen in Afrika präsentieren Sie Ihre Künstler auch international auf den Messen Art Basel, Frieze London, Paris Photo oder Art Basel Miami. Was unterscheidet die Messepräsentation von der in den Galerieräumen?

Da Conceicao: „In unseren Galerieräumen in Kapstadt und Johannesburg zeigen wir unser gesamtes Programm, sind auch experimentierfreudig, was die jeweilige Raumgestaltung angeht. Manchmal werden für Ausstellungen ganze Wände eingezogen oder auch entfernt. Für die jeweiligen Messen wählen wir gezielt künstlerische Positionen aus, von denen wir glauben, dass sie für den dortigen Kunstmarkt interessant sein könnten. Besonders wichtig ist es uns, die Aufmerksamkeit der Kuratoren auf unsere Künstler zu lenken. Wenn es uns gelingt, eine Einladung für eine wichtige Gruppenschau oder einem Kunstevent wie der Biennale vermitteln zu können, ist das für sie eine ganz andere Plattform, als wir sie ihnen bieten können.“

Welche Künstler würden Sie aktuell auf einer Messe in Deutschland präsentieren?

Da Conceicao: „Spontan denke ich da an Wim Botha, Zander Blom, Robin Rhode, Moshekwa Langa, Nicholas Hlobo und Kemang Wa Lehulere.“

Ein besonderer Service Ihrer Galerie ist es, für alle Künstler hochwertige Publikationen für einen Druck oder digitale Präsentation vorzubereiten und auch selbst zu produzieren.

Da Conceicao: „Auch dieser Service dient der Vermittlung. Zum einen können unsere Texte eins zu eins für externe Kataloge genutzt werden, zum anderen möchten wir hiermit den Besuchern unserer Galerie Informationen über das jeweilige Werk zur Verfügung stellen.

Sie führen die Galerie in Form einer Partnergesellschaft. Das ist für diese Branche eher ungewöhnlich. Warum haben Sie sich hierzu entschieden?

Da Conceicao: „Es ist die beste Möglichkeit, um am Erfolg der Galerie teilhaben zu lassen. Unser gesamtes Team ist mit absoluter Leidenschaft für die Kunst dabei. Um dauerhaft diese Leidenschaft aufrecht zu erhalten, passen wir unsere Struktur immer wieder den sich verändernden Bedingungen an.

Apropos sich verändernde Bedingungen: Inwiefern macht sich die insgesamt erkennbare Aufbruchsstimmung innerhalb der hiesigen Kunstszene bei Ihnen bemerkbar?

Da Conceicao: „Auf verschiedene Art und Weise. Wir verkaufen deutlich mehr an auswärtige Besucher. Darüber hinaus sorgt auch die zunehmende Gentrifizierung von Woodstock dafür, dass die Besucherzahlen in unserer Galerie stetig ansteigen. An manchen Tagen fühlt es sich hier an wie in einem Museum (lacht). Des weiteren bemerken wir einen deutlichen Wandel bei der Cape Town Art Fair, die jedes Jahr im Februar stattfindet. Immer mehr internationale Galerien nehmen teil, was für Sammler aber auch Künstler einen viel breiteren Blick auf die Kunst ermöglicht.“

Vorbei die Zeit, als afrikanische Kunst überwiegend mit exotischen Masken, Schnitzkunst und Handweberei in Verbindung gebracht wurde?

Da Conceicao: „Es ist erstaunlich. Nach wie vor kommen auswärtige Besucher mit einem völlig falschen Bild zu uns. Aber es ist wunderbar zu sehen, mit welchem Eindruck sie dann die Heimreise antreten“ (so abschließend Andrew da Conceicao sichtlich stolz).

Weitere Informationen

… über die Stevenson Gallery: https://www.stevenson.info