Laura Aberham

Im Stimmungsrausch der Farben

Fotos: Natascha Romboy

Wuppertal. Auch wenn die Sonne nicht geschienen hätte, bin ich mir sicher: spätestens beim Betreten des Ateliers von Laura Aberham wäre ein solcher Eindruck entstanden. Farbgewaltige Bilder wohin das Auge nur sieht und eine Künstlerin, die mit positiver Energie geradezu aufgeladen zu sein scheint.

Atelieransichten

Erst vor einem Jahr machte sie an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin bei Ellen Gallagher ihren Abschluss. Zuvor studierte sie bei Jürgen Drescher und Katharina Grosse. Der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab nahm sie sofort nach ihrem Abschluss ins Programm.. Es folgten Einzelausstellungen in Düsseldorf, Frankfurt und London. So richtig glauben kann sie das alles manchmal noch nicht …

„Ich hatte mir immer vorgestellt, wie es sein würde, meine Bilder in so schönen Galerieräumen ausstellen zu dürfen. Als es dann so schnell soweit war, fühlte es sich zunächst einmal fast surreal an. Doch dann war ich irgendwann einfach nur stolz“, erzählt sie strahlend.

Es sind ausschließlich abstrakte Gemälde. Geradezu explosiv sind die Farbkompositionen, die einen förmlich ins Bild hineinsaugen. Ist eine solche Wirkung planbar? Mit der Frage, welchen Einfluss die Lehre an der Kunstakademie auf die Entwicklung ihrer Arbeit genommen hat, versuche ich mich einer Antwort zu nähern.

Beispiele von Gemälden im Atelier

Laura: Die Zeit dort hat mich extrem stark beeinflusst. Nach dem Orientierungsbereich musste ich zunächst einmal den Frust überwinden, in keiner Klasse aufgenommen worden zu sein. Umso glücklicher war ich dann, als es im Wintersemester mit der Aufnahme in die Bildhauerklasse von Jürgen Drescher funktioniert hat. Im Nachhinein betrachtet war das sehr gut für mich. Bei ihm habe ich gelernt, Räumlichkeiten anders zu verstehen und damit umzugehen. Er hat mich dazu ermutigt, einfach aus der zweidimensionalen Ebene auszubrechen und plastisch zu arbeiten. Dort hängt beispielsweise eines der Werke, die sich dann später aus diesem Ansatz heraus entwickelt haben (s. Abbildung).

Beispiel einer plastischen Arbeit

Und Katharina Grosse hat dich dann ermutigt stärker mit Farben zu experimentieren? Es lassen sich unschwer Parallelen zu ihrer Arbeit erkennen.

Laura: Nicht direkt. Vielmehr waren es anfänglich die sehr starken und dominanten Charaktere in ihrer Klasse. Als Neuling musste ich mich in diesem Umfeld durchsetzen, um wahrgenommen zu werden. Das erforderte insgesamt ein selbstbewussteres Auftreten und genau dazu hat mich Katharina Grosse ermutigt. Hinsichtlich der Einflüsse aus ihrer Arbeit ist es so, dass mich vor allem die Gewaltigkeit und Intensität ihrer Werke stark beeindruckt und beeinflusst hat. Doch wollte ich nie genauso malen wie sie. Während sie sehr konzeptionell mit der Malerei arbeitet und oft den Raum wie auch den Betrachter einbezieht, ist es für mich zunächst einmal wichtig, mich auf den begrenzten Bildrahmen oder anders gesagt auf den zweidimensionalen Bildraum zu konzentrieren. Die Parallele in unserer Arbeit beschränkt sich daher auf den Einsatz knalliger Farben und die Abstraktion.

Also gibt es bei dir keinen konzeptionellen Gedanken hinter deiner Malerei?

Laura: Nein. Ich bin durch und durch Malerin. Dazu stehe ich. Die Auseinandersetzung mit Farben, Formen und Flächen finde ich unendlich spannend, eröffnet mir immer wieder neue Experimentierfelder und ist mir bis jetzt Aufgabe genug. Meine Bilder sollen unmittelbar aus sich heraus wirken und ohne textliches Beiwerk funktionieren. Sie dürfen einfach eine positive Stimmung auslösen.

Wie gehst du denn an ein neues Werk heran? Arbeitest du mit Referenzen oder startest mit Vorzeichnungen?

Laura: Nein. Weder noch. Ich arbeite ohne jede Planung rein intuitiv und folge meinem Gefühl.

Du kommst also ins Atelier und denkst dir: „Heute ist ein Tag für gelb?“

Laura: Genau (lacht). Klingt entspannt, ist aber ein anstrengender, sehr intensiver Prozess. Es ist ein Eintauchen in die Farbe, in die Bewegungen des Pinsels, in die unendlichen Möglichkeiten der Malerei und natürlich auch in meine eigene Bildraumwelt. Hierbei liebe ich das Unvorhersehbare des Zufalls. Da ich mittlerweile weiß, was ich machen kann und welche Möglichkeiten ich habe, ist das Ergebnis oftmals natürlich auch ein bisschen gesteuert.

… Work in progress (Bild rechts unten ©Morris Aberham)

Die Dynamik in deinen Bildern lässt auf eine gewaltige intuitive Kraft schließen. Brauchst du entsprechend nicht immer eine große Leinwand?

Beispiele von kleineren Formaten

Laura: Nein. Nicht zwingend. Ich arbeite auch gern in kleineren Formaten. Sie geben mir die Möglichkeit neue Dinge auszuprobieren, die ich dann später auf größere Formate übertragen kann. So konnte ich mich auch dem Umgang mit PVC-Folie nähern, die dann später zum Malgrund meiner Installation MUR BRUT 16 im Parkdeck in der Kunsthalle Düsseldorf wurde. Spannend waren zum einen die Effekte, die sich hinsichtlich der Überlagerung von mehreren Ebenen eröffneten. Zum anderen war es das Malen mit Lack, der durch seine Konsistenz eine völlig andere Wirkung als Öl- oder Acrylfarbe entwickelte und mich unter anderem auf die Idee brachte, ihn im getrockneten Zustand zu zerbröseln und auch als plastische Komponente zu nutzen.

Erste Experimente mit Folie und Lack (Fotos © Morris Aberham), rechts: getrockneter Lack auf Leinwandoberfläche

Stichwort Kunsthalle. Mit deiner Installation hast du doch farblich und materiell einen bewussten Gegenpol zur räumlichen Situation des Parkdecks geschaffen. Kann man in diesem Fall dann nicht von einer konzeptionellen Arbeit sprechen?

Laura: In gewisser Weise schon. In diesem besonderen Fall habe ich mit meiner Malerei auch auf den Raum reagiert. Das hatte sich aber vor allem aus dem Umstand entwickelt, dass dort keine Wandarbeit möglich war. Ich war also gezwungen etwas Neues zu finden, mit dem ich mir aber trotzdem treu bleiben konnte. Auf keinen Fall sehe ich mich mit dieser Arbeit aber plötzlich in der Position, mich als Installationskünstlerin bezeichnen zu können … (winkt entschlossen ab).

Installation MUR BRUT 16 im Parkdeck in der Kunsthalle Düsseldorf (Fotos: ©Morris Aberham)

Interessant war es, bei der Installation Lichtillusionen zu sehen, die für deine Malerei typisch sind, die hier aber vor allem durch die Folie und ihre Überlagerungen hervorgerufen wurden. Entstehen solcherart Illusionen in deiner Malerei geplant oder auch intuitiv?

Links: Beispiel für malerisch entwickelte Lichtillusionen

Laura: Sie entwickeln sich intuitiv innerhalb des Experimentierfeldes von Farbsetzungen und -kompositionen, oft über die stufenweise Verdichtung. Manchmal aber auch einfach über das Weglassen von Farbe, wenn ich das Gefühl habe, dass das entsprechende Bild gerade mal weniger braucht.

Warum hast du dich für die Abstraktion entschieden?

Laura: Ich liebe die Auseinandersetzung mit visuellen Eindrücken. Mich interessieren die Ebenen zwischen und hinter den Dingen der sichtbaren, uns umgebenden Welt. Die Abstraktion ermöglicht es, mir Darstellungsformen dieser transzendenten Ebenen zu entwickeln. Ich möchte Bilder schaffen, die Ereignis und Erlebnis zugleich sind, die im besten Fall Fenster jenseits der sichtbaren Welt öffnen.

 

Lässt sich abschließend die Frage, ob die Sogkraft der Bilder Laura Aberhams planbar ist beantworten?

Sie arbeitet rein intuitiv, was jegliche Form von Planung innerhalb des Schaffensprozesses eigentlich ausschließt. Warum wird dennoch die gewünschte Wirkung erzielt?

Der positive Effekt der Abstraktion ist zunächst einmal als eine wesentliche Komponente herauszustellen. Sie erlaubt es, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen und mit der eigenen Vorstellungskraft zu spielen.

Doch ist es nicht die Abstraktion allein. Die Sogkraft der Bilder wird vor allem durch die Räumlichkeit und Dynamik der Bildsetzungen und -kompositionen erzielt, die Laura Aberham über den gekonnten Umgang mit Form und Farbe hervorruft. Hiermit gelingt es ihr, die transzendente Komponente ihrer Bilder zu erspüren und selbst aktiv zu werden.

Aktiv zu werden, im Stimmungsrausch der Farben eigene Welten jenseits der sichtbaren Welt zu kreieren

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