A 4 Foundation

Ein innovatives Kunstlabor

Fotos: Karl Rogers

Kapstadt. Es gibt Akademien, Galerien, Museen, Kunstausstellungen, Festivals … und nun auch ein Kunstlabor! Auf Initiative der Sammlerin Wendy Fisher und ihres Kurators Josh Ginsburg entstand 2017, mitten im Zentrum Kapstadts, die innovative Institution A4 Foundation. Hier wurde beinahe schon wörtlich Raum geschaffen, um leidenschaftlich mit Kunst experimentieren, neue Formen von Kunstförderungen und -vermittlungen entwickeln und vor allem auch ausprobieren zu können. Mehr zur Idee erfahren wir heute im Gespräch mit Josh Ginsburg.

Die zeitgenössische Kunstszene in Kapstadt ist fühlbar im Aufbruch. Im selben Jahr wurden mit der A4 Foundation, dem Zeitz Mocaa Museum und der Norval Foundation gleich drei Institutionen eröffnet, die sich der Förderung und Präsentation der bisher wenig beachteten afrikanischen Gegenwartskunst verpflichtet fühlten. Alle drei arbeiten nach völlig unterschiedlichen Konzepten, jedoch im regelmäßigen Austausch und Miteinander, um ihr gemeinsames Ziel voranzutreiben.

Das inhaltliche Fundament zur Gründung der A4 Foundation bildet die Sammlung von Wendy Fisher. Vor sieben Jahren reifte in ihr der Entschluss, ihre Kunstwerke auf möglichst konstruktive Art und Weise der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Sie verpflichtete Josh Ginsburg als Kurator, um die Arbeiten der Sammlung zunächst einmal inhaltlich und formal nach ihrer Position innerhalb der südafrikanischen Kunstgeschichte zu befragen. Schnell wurde dabei beiden klar, dass sie mehr wollten, als die Werke einfach nur ausstellen. Sie wollten vielmehr zu deren Kern, zur Motivation ihrer Entstehung vordringen, um dann die Kraft der Kunst als Katalysator für die sozialen und politischen Wandlungen in Südafrika herauszustellen. Es galt, ein Konzept zu entwickeln, das sich zwischen den Bereichen Akademie, Kunstmarkt und musealer Institution bewegen und diese produktiv füllen konnte. In einem ersten Schritt wendeten sie sich direkt an die Künstler, wie mir Josh Ginsburg erzählt.

Ginsburg: Wir fragten, was sie am dringendsten bräuchten. In den Antworten kristallisierte sich immer stärker der Wunsch nach einem Ort heraus, wo man neue Ideen nicht nur entwickeln, sondern auch vor Publikum austesten könnte. Im Austausch mit weiteren Protagonisten der Kunstszene erarbeiteten wir dann sukzessive das Konzept für A4 nebst dazugehörigem Raumprogramm, das letztlich hier seine Realisierung gefunden hat.

Wofür steht A4?

Ginsburg: Es sind die vier Anfangsbuchstaben von Academy (Akademie), Apparative (Apparatur), Access (Zugang) und Archieve (Archiv). In diesen Begriffen verkörpert sich das Wesentliche unseres Konzepts. Am besten schauen wir uns einmal gemeinsam das Gebäude mit seinen unterschiedlichen Funktionsbereichen an. Dann lässt sich unsere Idee am einfachsten erklären und nachvollziehen.

Wir starten im dritten Geschoss.

Ginsburg: Hier befinden sich ein Atelier, das wir Künstlern zur Verfügung stellen, unsere Büroräume und vor allem unser Multifunktionsraum. Genutzt wird er für Workshops, Performances oder auch gemeinsame Kochevents. Es ist unser zentraler Treffpunkt. Der Raum fungiert sowohl als Akademie wie auch als eine Apparatur, die Menschen miteinander verbindet, um interdisziplinär arbeiten zu können. Ein konkretes Beispiel: Für einen Workshop haben wir Masterstudenten im Fachbereich Urbane Infrastruktur des African Centre for Cities mit Künstlern zusammengebracht. Hierbei offenbarte sich, nach welchen völlig unterschiedlichen Kriterien der städtische Raum beurteilt werden kann. Während beispielsweise die Studenten den Schwerpunkt auf den Durchfluss von Transportwegen innerhalb von Wohngebieten legten, waren es für Künstler Faktoren, die die Lebensqualität bestimmen. Hierbei wurde unter anderem das Licht zu einem Thema. Welche Räume sind hell, welche dunkel, was bedeutet das für die Sicherheit, etc.? Das Ergebnis dieses Workshops war eine eigens für dieses Projekt kreierte Tanzperformance im öffentlichen Raum.

Im zweiten Geschoss befindet sich die Galerie, die als klassischer White Cube konzipiert ist. Lediglich einzelne Ausstellungsarchitekturen gliedern die großzügige Gesamtfläche.

Ginsburg: Aktuell wird hier eine Fotografie-Ausstellung von David Goldblatt präsentiert. Seine Arbeiten sind Teil unserer Sammlung, sodass ich mich bereits seit vielen Jahren intensiv mit seinem Werk auseinandergesetzt und auch im ständigen Austausch mit ihm gearbeitet habe. Dabei hat sich auch eine sehr persönliche Beziehung zu ihm entwickelt. Als er letztes Jahr starb, war es mir deshalb ein Bedürfnis, ihm eine Ausstellung zu widmen und diese zu kuratieren. David arbeitete immer in Serien und wurde weltweit auch immer mit diesen Serien präsentiert. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass wir einzelne Fotografien separiert und mit Motiven anderer Serien kombiniert haben, um erstmals auch die ästhetische oder poetische Komponente seines Schaffens herauszustellen.

Werden alle Ausstellungen durch die eigene Sammlung bestückt und von dir kuratiert?

Ginsburg: Nein. Dass ich diese Ausstellung kuratiert habe, ist eher eine Ausnahme. Unser Testlabor sieht es vor allem vor, junge Kuratoren einzuladen, die hier ihr Handwerk üben. Sie können mit unserer aber auch mit anderen Sammlungen oder Arbeiten aus dem Primärmarkt operieren. Unser Team liefert die erforderliche logistische Unterstützung, die Galerie den erforderlichen Ausstellungsraum. Das ist der Access: Die direkte Zugangsmöglichkeit zu unserer Sammlung, aber auch der Zugang oder die Vermittlung zu Künstlern, Galeristen oder anderen Sammlern. Für Wendy Fisher ist es von größter Bedeutung, dass es eine Option aber keine Pflicht ist, mit ihrer Sammlung zu arbeiten. Im Gegenteil. Unser Ziel ist es, dass wir zukünftig unser Depot auch anderen Sammlern zur Verfügung stellen möchten, damit Künstler und Kuratoren damit arbeiten können.“

Im Erdgeschoss befinden sich das Depot und die öffentliche Bibliothek.

Ginsburg: Wir nennen unser Depot eher Archiv, weil es für jeden geöffnet wird, der sich inhaltlich damit auseinandersetzen möchte. An einem Beispiel kann ich die von uns angestrebte Form der Zusammenarbeit mit anderen Sammlern darstellen [Er zieht eine der Archivwände heraus und zeigt Fotografien, die Kindersoldaten abbilden.] Fragt man Sammler, ob sie diese Werke kaufen und bei sich zu Hause aufhängen wollen, antworten die meisten mit einem ,Nein’. Sie sind einfach zu destruktiv für Privaträume. Fragt man sie aber, ob sie die Arbeiten im Kontext der südafrikanischen Kunstentwicklung für wichtig halten, antworten sie meist mit einem ,Ja’. Wir ermutigen sie deshalb dazu, zehn Prozent ihres Ankaufsetats für genau solche Werke bereitzustellen. Die Arbeiten können dann hier in unserem Archiv gelagert und somit der Forschung zur Verfügung gestellt werden.  

„Forschung ist ein gutes Stichwort. Die Einrichtung von A4 beinhaltet auch eine öffentliche Bibliothek. Wie stark wird sie genutzt?“

Ginsburg: Noch nicht so stark. Das liegt aber auch daran, dass unser Konzept hierfür noch nicht ausgereift ist. Da es sich zum größten Teil um Bücher handelt, die im Zusammenhang der Künstler unserer Sammlung stehen, müssten sie – wie jetzt gerade anlässlich der Ausstellung von David Goldblatt auch geschehen – als Erweiterung der Ausstellung präsentiert und hiermit stärker animiert werden. Daran arbeiten wir noch.

Alles in allem ein sehr engagiertes Projekt. Wie funktioniert die Finanzierung der Foundation?“

Ginsburg: Ein Drittel wird von der Kirsh Familiy Foundation von Wendy Fisher bereitgestellt. Zwei Drittel müssen beschafft werden. Wir planen immer mit einem Budget für zwei Jahre. Das große Problem in Südafrika besteht darin, dass es hier keinerlei staatliche Anreize, wie beispielsweise Steuervergünstigen gibt, die eine Kunstförderung unterstützten. Wir sind deshalb gezwungen, einzig mit unseren Inhalten zu überzeugen.

Sind Sie mit dem bisher erreichten zufrieden?

Ginsburg: Auf jeden Fall. Wir sind ein tolles Team. Wendy ist unglaublich offen für unsere Ideen und lässt uns experimentieren. Wir agieren zunehmend als Brücke zwischen den einzelnen Protagonisten und spüren, dass wir als Kunstlabor den erhofften Beitrag zur Unterstützung der südafrikanischen Kunstentwicklung leisten können.“

Weitere Informationen

… über A 4: https://www.a4arts.org